Von der stillen Verzweiflung – als ich mich selbst in der Einsamkeit verlor und den Weg ins Glück fand………

 
 
 

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da war ich von Menschen umgeben – und fühlte mich trotzdem unfassbar allein.
Ich saß mit anderen am Tisch, lachte vielleicht sogar. Und innerlich war da dieses Gefühl, als würde ich eine andere Sprache sprechen. Als wäre ich aus dem Takt geraten, während alle anderen scheinbar mühelos durch ihr Leben gingen.

Wenn ich heute daran zurückdenke, wird mir noch immer schwer ums Herz. Diese Erinnerung fühlt sich an wie ein Fallen. Tief. Ohne Halt. Ohne zu wissen, wo unten ist.

Vor Kurzem habe ich über Suizidgedanken geschrieben. Und auch wenn Einsamkeit und diese dunklen Gedanken eng beieinanderliegen, fühlen sie sich doch unterschiedlich an. Überforderung ist laut. Sie ist intensiv, fast greifbar. Man spürt sich in ihr.
Einsamkeit dagegen ist leise. Sie schreit nicht. Sie zieht sich zurück.

Oft habe ich viel zu spät gemerkt, wie einsam ich wirklich war.
Es waren diese Momente, wenn alles ruhig wurde. Wenn ich mein Handy weglegte. Wenn mir auffiel, dass da niemand war, dem ich gerade wirklich fehlte. Ich saß am Fenster, mit einem Glas Rotwein, schaute hinaus in die Dunkelheit. An Geburtstagen. An Weihnachten.

Und bis heute weiß ich nicht: War ich wirklich so allein?
Oder war es meine eigene Wahrheit? Mein inneres Drama, in dem ich mich auf seltsame Weise eingerichtet hatte?

Einsamkeit ist unspektakulär.
Kein großes Zerbrechen. Kein sichtbarer Zusammenbruch.

Sie sitzt in den Pausen zwischen zwei Gedanken.
In dem Moment, in dem man etwas erzählen möchte – und niemand da ist, dem man es wirklich erzählen kann. Oder jemand ist da, hört aber nicht richtig zu. Oder macht einen Witz daraus.

Nach außen lief alles weiter.
Ich funktionierte. Hatte Termine. Führte Gespräche. War präsent.
Und doch war da diese unsichtbare Glasscheibe zwischen mir und der Welt. Alles war nah – und gleichzeitig unerreichbar. Ich war da. Aber nicht wirklich verbunden.

Was am meisten wehgetan hat, war nicht das Alleinsein.
Es war das Gefühl, austauschbar zu sein.

Nicht vermisst zu werden.
Nicht erste Wahl zu sein.
Oder überhaupt eine.

Es waren diese Abende – und auch diese stillen Morgen –, an denen ich mir wünschte, jemand würde einfach fragen:
Wie geht es dir wirklich?

Und dann blieb es still.
Und meine ehrliche Antwort blieb wieder einmal unausgesprochen.

Was mir fehlte, war selten nur Gesellschaft.
Was mir fehlte, war Verbundenheit.

Ein Ort, an dem ich mit all dem Ungesagten landen darf.
Ohne mich erklären zu müssen.
Ohne stark sein zu müssen, nur weil ich es kann.

Diese stille Verzweiflung ist müde.
Sie hofft leise.
Und genau das macht sie so schwer auszuhalten.

Irgendwann kamen die Fragen:
Was stimmt nicht mit mir?
Bin ich zu leise? Zu kompliziert? Denke ich zu viel? Fordere ich zu wenig – oder zu viel?

Diese Fragen waren schmerzhaft. Aber wichtig.
Ich musste lernen, sie mir ehrlich zu stellen – nicht um mich kleiner zu machen, sondern um mich besser zu verstehen. Manchmal allein. Manchmal mit Unterstützung.

Denn es ging nie darum, nicht genug zu sein.
Das habe ich nur lange geglaubt.

Selbstakzeptanz ist kein Ziel, das man plötzlich erreicht und abhakt. Es ist ein Weg. Einer, der weh tun kann. Der Geduld braucht. Und Mut.

Einsamkeit ist unglaublich erfinderisch, wenn es um Selbstzweifel geht. Sie gibt ihnen Raum. Lässt sie wachsen.
Also musste ich lernen, diesen Raum bewusst kleiner zu machen.

Es hat Jahre gedauert, bis sich etwas in mir verändert hat.
Schritt für Schritt. Oft so leise, dass ich es selbst kaum bemerkte. Es gab Rückschritte. Tage, an denen ich alles hinschmeißen wollte. Tage, an denen Stillstand leichter schien.

Aber ich bin geblieben.
Bei mir.

Und gleichzeitig habe ich erlebt: Veränderung kann auch plötzlich passieren. Dann, wenn du wirklich bereit bist hinzusehen. Wenn du wirklich etwas anders haben willst.

Heute sind Menschen in meinem Leben, die mich sehen. Wirklich sehen.
Menschen, die mich stärken, statt mich kleiner zu machen.
Menschen, die ein tragfähiger Boden sind, wenn ich selbst ins Wanken gerate.

Das heißt nicht, dass Einsamkeit nie wieder auftaucht.
Aber sie bestimmt mich nicht mehr. Sie ist nicht mehr mein Zuhause. Sie ist ein Gefühl, das ich kenne – und durch das ich hindurchgehen kann.

Ich habe gelernt: Veränderung ist Arbeit. Ehrliche Arbeit. An alten Mustern. An der eigenen Wahrnehmung. Und es braucht Mut, sich Hilfe zu holen. Sich zu zeigen. Sich selbst ernst zu nehmen.

Wenn ich heute zurückblicke, weiß ich:
Dranbleiben lohnt sich.

Auch wenn der Weg lange unklar ist.
Auch wenn es sich nicht nach Fortschritt anfühlt.
Auch wenn man zwischendurch wieder fällt.

Ich glaube daran, dass es möglich ist, glücklich zu werden.
Dass Verbundenheit möglich ist.
Dass es Menschen gibt, die bleiben.

Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis:

Es kann sich verändern.
Sei mutig.
Hol dir Hilfe.
Bleib dran.
Und wenn du stolperst – verzeih dir. Und geh weiter.

Du wirst gesehen.

Und genau in diesem Moment bist du nicht allein.

 
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Assistierter Suizid – Ein Mensch beendet sein eigenes Leben