Die beleidigte Kreativität

 
 
 

Wie alles begann

„Deine Kreativität ist beleidigt. Du erwartest zu viel von ihr. Sie fragt sich, was du von ihr willst!“

So sprach mein lieber Bekannter und Berater vor einiger Zeit.

Ich zeichne gerne Menschen. Schon seit der Schule. Den Ausdruck im Gesicht, die Seele in einer Zeichnung einzufangen, fasziniert mich. Ich wollte die innere Schönheit eines Menschen über die Schönheit des Gesichtes einfangen und zu Papier bringen.

Es macht mir Spaß, aber ich war nie besonders zufrieden mit dem Ergebnis meiner Zeichnungen. Mein Berufsleben war damals wenig kreativ, ich bin Technikerin und muss vor allem genau sein.

Mein Bekannter trug mir auf meine Kreativität zu entwickeln. Er empfahl mir Spiele zu entwickeln, zu Basteln, einfach kreativ zu sein. Ich fand das eher blöd und hatte keine Ahnung warum ich das tun sollte. Aber ich vertraute ihm und tat was er von mir verlangte.

Hausaufgaben

Ich setzte mich also vor ein Blatt Papier und da war nur Leere in meinem Kopf, kein Bild, keine Inspiration, keine Idee. Na super, das fing ja gut an.

Er aber meinte, ich solle mir ganz genaue Vorgaben machen, Zeiten zum Malen festlegen und nicht immer gleich aufgeben.

Das tat ich dann auch, ich setzte mich regelmäßig vor ein weißes Blatt Papier und fing einfach an ohne nachzudenken und ohne Anforderungen an meine Phantasie.

Ich machte meine Hausübungen wie in der Schule.

Von Bleistift zu Aquarell zu Acryl

Anfangs malte ich mit Bleistift , dann kombinierte ich Aquarellfarben dazu. Mit dem Ergebnis war ich meist nicht sehr zufrieden aber ich machte weiter. Es waren ja einfach nur Hausübungen an die hat man ja auch nicht zu große Erwartungen.

Mit der Zeit hatte ich mehr Freude damit und das Ergebnis gefiel mir auch besser.

Irgendwann kaufte ich mir neue Farben und probierte es mit Acrylmalerei.

Kreativität überrollte mich in allen Lebensbereichen

Meist beim Frühstück nahm ich mein I-pad und studierte im Internet alle möglichen Kunstbilder und Videoanleitungen. Ich belegte Malkurse.

Meine Wahrnehmung veränderte sich Schritt für Schritt. Ich erkannte überall in der Natur Farbkombinationen, in jedem Fernsehfilm sah ich Kunstbilder an den Wänden hängen. Die waren mir vorher nicht aufgefallen. Zufällig entdeckte ich im Internet auch neue Formen von Kunst: Street-Art und Graffiti. Das inspirierte mich. Ich versuchte einiges der Techniken nachzuahmen und zu integrieren. Die Kreativität der Straßenkünstler war unglaublich. In schmutzigen Straßen auf trostlosen Wänden entstanden Fantasiewelten aus Farbe. Das war für mich gelungene Kreativität.

Aber meine Kreativität war nun wie ein Prinz wachgeküsst und nicht mehr aus meinem Kopf zu löschen. Plötzlich kam auch mehr Farbe in mein Berufsleben.

Kunst im Beruf

Ich zog Farben und Kunst förmlich an, wie ein Magnet das Eisen. Mein Chef bildete sich ein, wir machen Kunst in den Garagen. Ich solle das abwickeln. 

Plötzlich hatte ich viele Künstler und deren Werke um mich. Ich musste ihre Arbeit studieren. Ich musste mit ihnen reden. Und ich musste sie inspirieren. Denn Garagen und Kunst passen nicht so einfach zusammen. Ich sprühte plötzlich vor Ideen. Wir fingen mit einer Garage an. Dann kam die zweite und immer wieder neue Projekte.

Heute ist meine Kreativität nicht mehr beleidigt sondern zufrieden und sie ist eine meiner wichtigsten Eigenschaften, privat und beruflich.

Kreativität heißt ständige Inspiration aus der Umwelt, der Natur und den anderen Menschen. Wir beobachten, probieren neue Dinge aus und kombinieren sie mit den alten.

Sie bedeutet Schöpferkraft zu besitzen. Damit kann ich im Kleinen vielleicht auch im Großen die Welt neu erfinden. Die Welt kann schöner, bunter und am Ende besser werden mit meinem Ideenreichtum

Dann entdeckte ich das Arbeiten mit dem Ton

und dann.... entdeckte ich 2024 das Arbeiten mit dem Ton.

Ton anzugreifen weckt die tief mit mir verwurzelte Kreativität. Sie ist eine Schöpferkraft die aus der Seele fließt.

Der Ton spricht ganz leise zu mir und meinen Händen. Nicht jeder Klumpen Ton möchte eine einfache Schüssel oder ein banales Häferl werden. Der Ton hat seinen eigenen Kopf. Er zeigt mir ganz subtil, in welche Richtung er geformt werden möchte.
Manchmal wehrt er sich, manchmal werden Hände und Ton eins. Nie ist es der gleiche Vorgang. Immer entdecke ich neue Techniken und Facetten.

Das ist heute Kreativität für mich.

 
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Der Raum, den du am Körper trägst.